Im August 2014 wurden in Europa zwei neue Standards für die Konstruktion (EN 81-20:2014) und die Installationsanforderungen (EN 81-50:2014) von Aufzügen herausgegeben. Sie ersetzen EN 81-1:1998+A3:2009 und EN 81-2:1998+A3:2009, die 15 Jahre alt waren und an die neuen Sicherheitsanforderungen angepasst werden mussten. Es wird erwartet, dass diese Standards auch in China, Südamerika und Australien übernommen werden.

EN 81-20 schreibt die Konstruktionsanforderungen sowohl für Personenaufzüge als auch für kombinierte Personen- und Lastaufzüge – unabhängig vom verwendeten Antriebssystem – vor. EN 81-50 beschreibt die Sicherheitskomponenten sowie Forschungs- und Berechnungsmethoden.

Viele Faktoren sind in die Gestaltung dieser neuen Standards mit eingeflossen, wie z.B.:

  • Verbesserte Sicherheit aufgrund von Änderungen bei der eingesetzten Technologie sowie die Notwendigkeit, den neuesten Stand der Technik widerzuspiegeln;
  • Einbindung wichtiger Unfallschutz- und Sicherheitsbestimmungen;
  • Anforderungen aufgrund geänderter EU-Richtlinien;
  • Eliminierung gemeldeter Fehler;
  • Präzisierung des Textes und Einarbeitung von Vorschlägen, die sich aus Anfragen hinsichtlich der Interpretation des Textes ergeben haben.
  •  ür Hydraulikaufzüge gelten keine gesonderten Standards mehr. Entscheidend sind Risikoanalyse und Einhaltung der wesentlichen Anforderungen der Aufzugsrichtlinie.

Beispiele für die neuen Anforderungen sind:

  • Erhöhte Widerstandsfähigkeit von Türen, Fahrkabine und Schacht;
  • Verbesserte Beleuchtung in der Fahrkabine;
  • Sicherstellung, dass Personen die Fahrkabine nicht verlassen, wenn der Aufzug zwischen zwei Stockwerken zum Stehen kommt;
  • Bessere Materialien in der Fahrkabine (feuerfeste Materialien und Sicherheitsglas);
  • Verbesserte Klassifizierung von Ladezustand und Sicherheit bei der Verwendung von Ladefahrzeugen (Gabelstapler, etc.);
  • Größerer Schutzraum in Schachtgrube und Schachtkopf;
  • Grubenkontrollstation und verbesserte Kontrolle des Fahrkabinendachs;
  • Verbesserter Zugang zur Schachtgrube (Leitern, Kontrollstellen, etc.)
  • Notbeleuchtung auf dem Fahrkabinendach;
  • Verbessertes Geländer auf dem Fahrkabinendach;
  • Eine Tür-Bypass-Kontrolle zur Verhinderung einer vorsätzlichen Umgehung der Sicherheitsvorrichtungen (durch einen herbeigeführten Kurzschluss).

Während der aktuellen Übergangsphase von 36 Monaten sind beide Standards gültig. Ab August 2017 sind EN 81-1 und EN 81-2 nicht mehr gültig.

Welche Auswirkungen hat EN 81-20 auf die Detektoren in Aufzugstüren?

Abschnitt 5.3.6.2.1.1 von EN 81-20 bezieht sich speziell auf die Detektoren in Aufzugtüren:

5.3.6.2.1.1 Automatische kraftbetriebene Türen

Es gilt Folgendes:

    1. a) Die kinetische Energie von Absatz und / oder Fahrkabinentür sowie den mechanischen Elementen, die starr mit diesen verbunden sind, darf – berechnet oder gemessen bei der durchschnittlichen Schließgeschwindigkeit – 10J nicht überschreiten.

Die durchschnittliche Schließgeschwindigkeit einer Schiebetür wird über den Gesamtweg berechnet, abzüglich:

1) 25mm an jedem Ende der Bewegung bei zentral schließenden Türen;

2) 50mm an jedem Ende der Bewegung bei seitlich schließenden Türen;

  1. b) Eine Schutzvorrichtung muss automatisch das Wieder-Öffnen der Tür(en) veranlassen, falls eine Person während des Schließvorgangs durch den Eingang tritt. Diese Schutzvorrichtung kann deaktiviert werden, wenn der verbleibende Schließweg bzw. der Türspalt weniger als 20mm beträgt;

1) Die Schutzvorrichtung (z.B. Lichtvorhang) muss die Öffnung in einem Bereich zwischen mindestens 25mm und 1600mm über der Schwelle der Fahrkabinentür abdecken;

Die maximale Erfassungshöhe wurde von 1800mm auf 1600mm reduziert.

2) Die Schutzvorrichtung muss Hindernisse ab einem Durchmesser von 50mmerkennen;

Die Hersteller von Lichtvorhängen müssen jetzt garantieren, dass ihre Detektoren Objekte ab einem Durchmesser von 50mm erkennen. Bei konventionellen Lichtvorhängen wirkt sich das erheblich auf die verwendete Anzahl der Dioden aus. Avire hat eine einzigartige Testvorrichtung entwickelt, die den Schutzbereich von Lichtvorhängen automatisch darstellen kann. Abbildung 1 zeigt die Darstellung für ein 50mm großes Objekt, das zwischen den zwei Detektoren, die in einem Abstand von 1000mm montiert sind, 18 Mal vertikal gescannt wurde. Die durchgehende rote vertikale Linie zeigt eine Auslösung. Lücken in der vertikalen Linie zeigen, dass keine Auslösung stattfand. Wie Abbildung 1 zeigt, sind die Abstände bei einem 18-Dioden-Detektor nicht geeignet, um ein 50mm-Objekt mit einer Zuverlässigkeit von 100% bis an den Detektorrand zu erfassen. Die in den Avire-Detektoren verwendeten Diagonalstrahlen schließen diese Lücke effektiv bis an die Ränder.

Die Auswirkung der Diagonalstrahlen auf die Erfassungskapazität ist besser zu erkennen, wenn man das Testobjekt deutlich kleiner wählt, z.B. 15mm – Abbildung 2

Die übliche Lösung für das Problem der ungenügenden Erfassung an den Rändern der Detektoren ist eine Erhöhung der Diodenanzahl, sodass der Abstand zwischen den Dioden weniger als 50mm beträgt. Siehe Abbildung 3.

3) Um fortdauernde Hindernisse beim Schließen der Tür zu umgehen, kann die Schutzvorrichtung nach einer voreingestellten Zeit deaktiviert werden;

Solche Hindernisse können von mechanischen Blockierungen oder Vandalismus herrühren, z.B. Kaugummi auf den Detektoren.

4) Im Falle von Ausfall oder Deaktivierung der Schutzvorrichtung muss – wenn der Aufzug in Betrieb bleibt – die kinetische Energie der Türen auf 4J begrenzt werden. Außerdem muss beim Schließen der Tür(en) stets ein akustisches Signal ertönen.

Das bedeutet, dass ein vom Lichtvorhang erkannter Fehlerzustand an die Türsteuerung übermittelt werden muss, um die Schließkraft der Türen zu begrenzen. Der Fehlerzustand kann auf unterschiedliche Art übermittelt werden, von der einfachsten Möglichkeit, bei der die Türsteuerung eine andauernde Auslösung des Diagnoseausgangs erkennt bis hin zu differenzierteren Diagnoseprotokollen. Wenn es sich beim Diagnoseausgang um ein einfaches Relais handelt, muss dieses folglich als „Öffner“ ausgeführt sein, um die Ausfallsicherheit zu gewährleisten, falls Detektor, Verkabelung oder Stromversorgung beeinträchtig sind. Alternative Lösungen sind Protokolle wie CANopen sowie kundenspezifische Protokolle basierend auf der RS485Bitübertragungsschicht. Außerdem ist zu beachten, dass während eines Fehlerzustands beim Schließen der Türen stets ein Alarm (akustisches Signal) ertönen muss, um Fußgänger zu warnen.

Schlussbemerkung

Die neuen Anforderungen von EN 81-20:2014 sind nicht verbindlich bis August 2017. Es gibt also keinen Grund zur Panik. Es ist zu erwarten, dass die meisten Aufzughersteller, die voll EN 81-20-konforme Aufzüge liefern müssen, etwa Mitte 2016 komplett auf neue Produkte umstellen werden. Einige werden dies früher tun, das ist jedoch nicht entscheidend.

Es ist jedoch wichtig, sich jetzt mit einem Lichtvorhanghersteller in Verbindung zu setzen, der sich mit den neuen europäischen Richtlinien gut auskennt und Reihe von Lösungen für Ihre Systemanforderungen anbieten kann. Wenn Unternehmen die Optionen bewerten, wie sie die neuen Richtlinien umsetzen, kann Avire sie bei der Wahl der kostengünstigsten Methode unterstützen.

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